Der Kubus ist eines der wenigen Beispiele von Wagenfeld, die man als Systemdesign bezeichnen kann. Er hat hier eine perfekte Balance gefunden: Das einzelne Gefäß ist stimmig und liegt mit den abgerundeten Kanten sehr gut in der Hand. Trotzdem passen die Teile gut zusammen, denn das Geschirr funktioniert wie ein Bausatz: Es gibt sieben Formen aus stabilem Pressglas, die man beliebig kombinieren kann. Damit vereint der Kubus die Anforderungen an ein "modernes" Alltagsobjekt: es ist modular, stapelbar, platzsparend, transparent und kann leicht und kostengünstig produziert werden. Später erweiterte Wagenfeld die Anwendungsmöglichkeiten und entwarf kleine Tabletts, so dass die Gefäße auch auf den schön gedeckten Tisch passten.
Wagenfeld hat dieses Vorratsgeschirr für die damals ganz neuen elektrischen Kühlschränke entwickelt, die noch einen winzigen Innenraum hatten. Doch das Ideal der neuen kleinen Einbauküche bot auch ohne teuren Kühlschrank gut Einsatzmöglichkeiten für ein stapelbares Vorratsgeschirr. Es gab übrigens schon vor Wagenfeld vereinzelt Glasgeschirre für den Kühlschrank, aber die waren klobiger und nicht so variabel, so dass sich Wagenfelds Entwurf durchsetzte. In den Kriegsjahren wurde er zwar nicht mehr in hohen Stückzahlen produziert, doch nach dem Zweiten Weltkrieg wird sein Vorratsgeschirr in ganz Europa kopiert. In den 1950er und 1960er Jahren werden dann Vorratsbehälter aus Kunststoff populär. Sie sind leichter und haben luftdicht schließende Deckel, so dass man die Boxen gut transportieren kann. Heute hat das Thema Nachhaltigkeit eine neue Bedeutung gewonnen und es werden wieder vermehrt Vorratsbehälter aus Glas angeboten.