Wort. Bild. Buch. Was Illustration kann

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Im Vordergrund eine Tischvitrine, auf der sich das im Hintergrund an der Wand angebrachte Bild spiegelt. Au dem großformatigen Bild sind die kantigen, schwarz-weißen Formen einer Illustration von zu sehen.
Im Vordergrund eine Tischvitrine mit Entwurfszeichnungen, im Hintergrund Tuschezeichnungen von Hülsmann
Im Vordergrund eine Tischvitrine, auf der sich das im Hintergrund an der Wand angebrachte Bild spiegelt. Au dem großformatigen Bild sind die klaren bunten Formen einer Illustration von Julian Litschko zu sehen.

Wenn in Kinderbüchern viele bunte Bilder sind wundert sich niemand – aber Illustrationen in einem Buch mit ernsthafter Literatur? Verfälscht die Bild­ebene nicht den „reinen“ Gehalt des Textes? Die Antwort auf diese Frage hat sich radikal geändert. Ein individualisiertes Leseverhalten gibt Raum für Experi­mente und so ist auch das Interesse an „Bildern in Büchern“ gewachsen. Die Ausstellung setzt bei dieser spannenden Entwicklung an und zeigt, wie vielfältig Illustrator:innen im 21. Jahrhundert arbeiten. 

1. Andere Zeiten und Kulturen
Das erste Kapitel stellt Illustrator:innen vor, die die im Text beschriebene Zeit oder Kultur in ihren Bildern lebendig werden lassen. Janna Klävers hat beispielsweise für die Illustration von Kazuo Ishiguros „Was vom Tage übrig blieb“ (2021) sorgfältig recherchiert: wie war die Mode in der erzählten Zeit? Welcher Darstellungsstil passt zur beschriebenen Epoche? Ihre feinfühligen Pastellzeichnungen in zurückhaltender Farbigkeit bilden eine Einheit mit dem Text.

2. Atmosphären
Andere Illustrationen greifen vor allem die Atmosphäre eines Textes auf. Katrin Stangl sagt z.B. zu ihren Bildern zu Sagans „Bonjour Tristesse“: Es „war mir wichtig, die Stimmung von diesem Buch einzufangen. Es hat ja einerseits diese sommerlich, leichte Côte d‘Azur-Anmutung und dann gleichzeitig dieses Drückende – von den ganzen Intrigen, die da gesponnen werden. Eine seltsame Stimmung.“ So entsteht eine freie Bildebene, die assoziativ auf den Text reagiert.

3. Aufklappen-umdrehen-herausholen
Das Kapitel „Aufklappen-Umdrehen-Herausholen“ zeigt, warum wir auch in Zeiten des E-Readers Bücher mit ihren haptischen Qualitäten brauchen. Neben guten Illustrationen bieten aufwändige Schuber, ausgewählte Vorsatzpapiere, Vorzugsausgaben mit Holzschnitten oder eingelegte Briefe und Postkarten ein außergewöhnliches Leseerlebnis.

4. Erst Text, dann Bild?
Meistens entsteht der Text zuerst und die Illustration kommt später dazu. Es können wenige Monate oder ganze Jahrhunderte zwischen Text und Bild liegen. Manchmal arbeiten Autor:in und Illustra­tor:in aber auch gemeinsam an einem Buchprojekt, so dass sich Text- und Bildebene gegenseitig befruchten. 

5. Eingreifen
Heutige Buchillustration ist mehr als die Wiederholung des Textinhaltes mit visuellen Mitteln. Vile Illustratio:innen setzen mit ihren Bildern eigene Schwerpunkte oder eröffnen neue Kontexte. Andere integrieren den Text in Ihre Bilder und beeinflussen den Leserhythmus. Im Zu­sammenspiel von Text- und Bildebene entsteht auf diese Weise ein ganz neues Werk.

6. Zwei Editionsgeschichten
Ein kleiner Exkurs wirft zum Schluss einen Blick in die Geschichte. An zwei Beispielen wird deutlich, wie sehr Illustrationen die Wahrnehmung eines Stoffes beeinflussen. Bei Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“ war die Bildebene von Anfang an geplant und die Illustrationen von 1869/70 wurden als so ikonisch wahrgenommen, dass sie bis heute reproduziert werden. Bei Mary Shelleys „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ verläuft die Editionsgeschichte anders: In den ersten Ausgaben gab es keine Illustrationen und die Bildebene des Frankensteinstoffes wird von Theaterzetteln und Filmen geprägt. Erst im 20. Jahrhundert werden illustrierte Ausgaben verlegt, die jeweils sehr unterschiedliche Blicke auf den Stoff erlauben.

Illustrator:innen
J.J. Abrams und Doug Dorst, Maxime Ballesteros, Albert Barthel, Roberta Bergmann, Harry Brockway, Zdeněk Burian, John Coulthard, Alphonse-Marie-Adolphe de Neuville, Gustave Doré, Carl Durban, Didier Graffet, Janne Holzmüller, Jörg Hülsmann, Alexandra Kardinar und Volker Schlecht, Charles Keeping, Janna Klävers, Julian Litschko, Sophia Martineck, Walter Moers, Barry Moser, Peter Nagengast, Franziska Neubert, William O´Connor, Robert Andrew Parker, Ann-Kathrin Peuthen, Édouard Riou, Robert Sabuda, Emmy Grimme Sagali, Rainer Schmoll, Christian Sobeck, Simon Stålenhag, Anna Stähler, Katrin Stangl, Martin Stark, Malvina G. Vogel,  Eva Wünsch und Luisa Stömer, Renate Wacker, Henning Wagenbreth, Franziska Walther, Shiwen Sven Wang, Lynd Ward, Bernie Wrightson, Mehrdad Zaeri