Welt aus Glas. Transparentes Design

Laufzeit: bis:
Blick in die Ausstellung "Welt aus Glas. Transparentes Design" im Wilhelm Wagenfeld Haus. Ausstellungsarchitektur mit transparenten Stühlen und Sesseln.
Ein durchsichtiger Stuhl, der aussieht wie fließendes Wasser, entworfen von der Architektin Zaha Hadid
Blick in die Ausstellung "Welt aus Gals. Transparentes Design". Im Vordergrund ein Modell des Glashauses von Bruno Taut.
Eine Damensandale mit transparentem Absatz. Im Absatz sind rote Kirschen aus Kunststoff.
Alternativer Text
eine durchsichtige Handtasche von Hermès von 1997

„Transparenz“ gehört zu den Schlüsselbegriffen unserer Gegenwart. Was wir mit dem Begriff verbinden, sagt viel über unsere Gesellschaft aus. Fordern wir transparentere Prozesse in Wirtschaft und Politik oder befürchten wir den Verlust von Privatsphäre in­mitten einer gläser­nen Kontrollgesellschaft? Die Ausstellung thematisiert, welche Hoffnun­gen, Wünsche und Gefahren wir mit dem Konzept der Transparenz verbinden. Warum faszi­nieren uns auch im Alltag Objekte aus Glas und klarem Kunststoff? Die Ausstellung blickt zunächst zurück auf das 20. Jahr­hundert und verfolgt die Entwicklungslinien bis zu aktuellen Diskussionen über eine gläserne Welt.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts herrscht eine wahre Transparenz-Euphorie. Die gerade ent­deckten Röntgenstrahlen machen sichtbar, was dem menschlichen Auge bisher verborgen blieb, Chemiker entwickeln neue durchsichtige Werkstoffe. Moderne Gestalter verbinden den wissen­schaftlichen Blick mit der Hoffnung auf eine bessere Welt. Bruno Taut baut 1914 ein Aufsehen erregendes Glashaus und hofft, das „neue Glas-Milieu“ könne die Menschen verändern. Wilhelm Wagenfeld entwirft in den 1930er Jahren Haushalts­gerät für die „gläserne Küche“ – „arbeitssparend, hygienisch und schwebend leicht“ – so heißt es in den Werbeblättern jener Zeit.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kommen technische Geräte mit transparentem Gehäuse auf den Markt und enthüllen Schaltkreise und Transistoren. Doch viele Kunden sind von so viel Einblick überfordert und bevorzugen Geräte, die kommentarlos funktionieren. Auch in der Mode kann Transparenz ebenso provozieren wie anregen. Seit Jahrtausenden wird mit dem Gegensatz von durchsichtigen und opaken Textilien gespielt. Mit der Entwicklung transparenter Kunststoffe eröffnen sich neue Möglichkeiten, Einsichten zu gewähren.

Der Wunsch, sich von der materiellen Welt zu befreien, hat in der abendländischen Kultur eine lange Tradition. Dass dieses Thema im 20. Jahrhundert im Alltag angekommen ist, zeigt die Ausstellung am Beispiel von Sitzmöbeln. 1926 hatte Marcel Breuer vorausgesagt, dass die Menschen in der Zukunft „auf einer elastischen Luftsäule“ sitzen werden. In den 1960er Jahren nähern sich Gestalter diesem Ideal mit aufblasbaren Sesseln aus klarer Kunststofffolie.  Zaha Hadid geht 2015 einen neuen Weg und integriert das Motiv der Bewegung: Ihr „Liquid Glacial Chair“ erinnert an einen gefrorenen Wasserstrudel.

Zeitgleich mit der Begeisterung für durchsichtige Materialien regt sich schon früh Kritik an dem Ideal der Transparenz. Heute wird dieses Unbehagen oft mit dem Begriff des „gläsernen Bürgers“ um­schrieben. Im letzten Kapitel der Ausstellung soll diese ambivalente Haltung zum Trans­parenz­ideal thematisiert werden. Wie viel Durchsicht braucht eine funktionierende Gesellschaft, wie viele Details geben wir in sozialen Netzwerken preis, welche Strategien der Undurchsichtigkeit gibt es?

 

Wir danken sehr herzlich
Karin und Uwe Hollweg Stiftung
Waldemar Koch Stiftung
Senator für Kultur der Freien Hansestadt Bremen 

Medienpartner
form
Weser Kurier
Radio Bremen zwei

Konzept: Dr. Julia Bulk
Ausstellungsgestaltung: Jakob Gebert & Hanna Krüger

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